Olympe de Gouges (1748 - 1793)
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Marie Gouze/Marie Aubry
 
Marie Gouze wurde am 07.05.1748 in Montauban, Languedoc, als Tochter des Ehepaares Anne-Olympe und Pierre Gouze geboren. Ihr leiblicher Vater war vermutlich Jean-Jacques Le Franc de Pompignan, der sich niemals offiziell zu seiner Tochter bekannte.
Mit siebzehn Jahren wurde Marie an den unvermögenden Louis-Yves Aubry verheiratet. Von ihm bekam sie im August 1766 ihr einziges sie überlebendes Kind, Pierre Aubry. Marie litt unter ihrer Ehe und sprach in dem autobiografisch gefärbten Briefroman
Mémoire de Mme. de Valmont von dem „mir verhassten Mann“, dessen Spur im Leben von Olympe de Gouges sich noch im Geburtsjahr seines Sohnes verliert.

Olympe de Gouges
 
Um etwa 1770 zog sie mit ihrem Sohn nach Paris. Sie legte den Ehenamen ab und nannte sich nunmehr (Marie-)Olympe de Gouges. Über die folgenden zehn Jahre ihres Lebens ist nicht viel bekannt. Sie war Lebensgefährtin von Jacques Biétrix de Rozières, der für ihren Lebensunterhalt sorgte und ihr den Status einer gutsituierten Bürgerin ermöglichte, die Zugang zu den Salons jener Zeit hatte. Sie blieb siebzehn Jahre mit Jacques Biétrix zusammen, hatte allerdings auch andere Liebhaber, wie es dem zeitgeist entsprach und worüber sie sich weitestgehend bedeckt hielt. Nichtsdestotrotz wurden ihr ihre Liebschaften später vorgehalten - in der Hauptsache mit dem Zweck der Diffamierung ihres politischen Wirkens: "Um die öffentliche Stimme, die meine patriotischen Schriften mir eingetragen haben, ins Schwanken zu bringen, verbreiten unbesonnene Menschen überall, dass ich Liebhaber gehabt habe; gewiss, diese Bemerkung ist neu und ganz besonders wesentlich.[1]" Biografen und Geschichtsschreiber haben in der Folge an diese Diffamierung angeschlossen und Olympe de Gouges wiederholt als Kurtisane dargestellt.
Die ersten Jahre in Paris muss Olympe de Gouges zu intensivem Selbststudium genutzt und an ihrer intellektuellen Entwicklung gearbeitet haben. Sie umgab sich mit adeliger Prominenz, Wissenschaftern, Literaten und Künstlern. Sie machte die Bekanntschaft von Philippe von Orléans, dem späteren Philippe Egalité, dessen Palais Royal im Mittelpunkt des Pariser Divertissements stand.

Louis-Sébastien Mercier, ein bedeutender Literat seiner Zeit, wurde ihr Freund und Lehrmeister, er förderte ihren Intellektualismus und unterstützte sie in ihrem Schreiben.


Femme des Lettres
 
De Gouges' erstes Werk ist der oben erwähnte Briefroman Mémoire de Mme. de Valmont, der 1784 erschien und von (ihrer) illegitimen Herkunft handelt. Sie trat damit zu dem Zeitpunkt als Literatin an die Öffentlichkeit, als ihr wahrscheinlich leiblicher Vater und gefeierter Literat, der Marquis de Pompignan, starb.
Zu dieser Zeit begannen die Diffamierungen gegenüber der engagierten Olympe de Gouges, was sie
ganz besonders zu spüren bekam, als sie versuchte ihr erstes Stück Zamore et Mirza ou l´heureux naufrage, an der Comédie Française aufführen zu lassen. Dieses Theater verfügte über ein Monopol und war auch von seinen adeligen Unterstützern, den Kolonisten, abhängig, die das Stück wegen seiner Sklavenfreundlichkeit ablehnten. Ein jahrelanger Streit entbrannte, in dessen Folge de Gouges letztendlich erreichte, dass ihr Stück 1789 aufgeführt, danach aber für immer abgesetzt wurde.
Olympe de Gouges verfasste eine Vielzahl von Schauspielen und Romanen, von denen einige erhalten geblieben, kaum ein Stück davon allerdings jemals auf Deutsch übersetzt worden ist. Ihr letztes Drama 1793 heißt
L´entrée de Dumourier [sic] à Bruxelles ou les vivandiers und wurde ihr politisch gefährlich, weil jener Dumouriez, von dem das Stück handelt, wenige Tage nach der Uraufführung zum Feind überlief.

Politikerin und Feministin
 
Einen Namen machte sich Olympe de Gouges aber mit anderen Schriften: Sie verfasste tagesaktuell Wandzeitungen, Pamphlete und offene Briefe, in denen sie ihre politische Meinung kundtat. Sie machte sich unbeliebt als Gegnerin der Sklaverei und wurde verhöhnt für ihre Forderung nach der Gleichberechtigung von Frauen. In diesem Sinne kämpfte sie für Bildung, Berufe und Eigentumsrechte für Frauen sowie gegen Privilegien, Vaterschaftsleugnungen und Patriarchenrechte der Männer. Olympe de Gouges versteckte sich kaum jemals hinter ihren politischen Schriften, sondern nannte beharrlich ihren Namen und betonte ihr Frau-Sein.
Als Anfang September 1791 die Verfassung, beruhend auf der ,Déclaration des droits de l´homme et du citoyen’ [Erklärung der Rechte des Menschen/Mannes und Bürgers] verabschiedet und Frankreich konstitutionelle Monarchie wird, publiziert sie ihre ,Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne’ [Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin] und schickt sie an die Nationalversammlung.[2] Diese Erklärung ist ein weiblicher Gegenentwurf zur sog. allgemeinen Menschenrechtserklärung [und] erweist sich in der detaillierten und vergleichenden Analyse als ein politisches Programm, an dem sich in der Folge sowohl die Politik der alten wie der neuen Frauenbewegung messen lassen kann.[3]
Der Rechtsentwurf wurde ignoriert.


Kämpferin und Opfer des Terror-Regimes
 
Am 30.10.1793 wurden alle „Clubs und Vereine von Frauen“ verboten. Zu diesem Zeitpunkt wurde de Gouges bereits einige Monate gefangen gehalten, nachdem sie zuvor Schmähschriften gegen Robespierre und Marat („Usurpator der Macht“ und „willenloser Handlanger“) veröffentlicht und mit ihrer Wandzeitung Les trois urnes ou le salut de la patrie par un voyageur aérien zu einer direkten Volkswahl aufzurufen versucht hat. Dieses Plakat, das niemals an die Öffentlichkeit gelangte, wurde de Gouges zum Verhängnis. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt weder Freunde im monarchistischen noch im republikanischen Lager. Von den Jakobinern wurde sie den Girondisten zugerechnet und in Haft genommen. Olympe de Gouges war aufgrund der langen Gefangennahme krank und schwach, als sie dem öffentlichen Ankläger des Revolutionstribunals Antoine-Quentin Fouquier-Tinville vorgeführt wurde: Ich bat um einen Verteidiger meiner Wahl. Ich bekam zu hören, dass dieser nicht anwesend sei oder sich nicht mit meiner Verteidigung belasten wollte; angesichts dessen Abwesenheit bat ich um einen anderen. Die Antwort lautete, dass ich genug Hirn habe, um mich selbst zu verteidigen. (Zitat aus dem letzten Brief de Gouges' an ihren Sohn)[4] .
Am 03.11.1793 wurde Olympe de Gouges guillotiniert.



[1] Olympe de Gouges: Avis pressant ou Réponse à mes calomniateurs; 1789
[2] Schröder, Hannelore (Hg.):
Olympe de Gouges: Mensch und Bürgerin „Die Rechte der Frau“ (1791); ein-FACH-Verlag, Aachen, 1995; S 88
[3] Gerhard, Ute:
Gleichheit ohne Angleichung; Beck, München, 1990; S 10
[4] zitiert nach: De Gouges, Olympe:
Mensch und Bürgerin „Die Rechte der Frau“ (1791); Schröder, Hannelore (Hg.), ein-FACH-Verlag, Aachen, 1995; S 93
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