| Marie
Gouze/Marie Aubry
Marie Gouze wurde am 07.05.1748 in Montauban,
Languedoc, als Tochter des Ehepaares Anne-Olympe und Pierre Gouze geboren.
Ihr leiblicher Vater war vermutlich Jean-Jacques Le Franc de Pompignan,
der sich niemals offiziell zu seiner Tochter bekannte.
Mit siebzehn Jahren wurde Marie an den unvermögenden Louis-Yves Aubry
verheiratet. Von ihm bekam sie im August 1766 ihr einziges sie überlebendes
Kind, Pierre Aubry. Marie litt unter ihrer Ehe und sprach in dem autobiografisch
gefärbten Briefroman Mémoire de
Mme. de Valmont von dem „mir verhassten
Mann“, dessen Spur im Leben von Olympe de Gouges sich noch im Geburtsjahr
seines Sohnes verliert.
Olympe de Gouges
Um etwa 1770 zog sie mit ihrem Sohn nach Paris.
Sie legte den Ehenamen ab und nannte sich nunmehr (Marie-)Olympe de Gouges.
Über die folgenden zehn Jahre ihres Lebens ist nicht viel bekannt.
Sie war Lebensgefährtin von Jacques Biétrix de Rozières,
der für ihren Lebensunterhalt sorgte und ihr den Status einer gutsituierten
Bürgerin ermöglichte, die Zugang zu den Salons jener Zeit hatte.
Sie blieb siebzehn Jahre mit Jacques Biétrix zusammen, hatte allerdings
auch andere Liebhaber, wie es dem zeitgeist entsprach und worüber
sie sich weitestgehend bedeckt hielt. Nichtsdestotrotz wurden ihr ihre
Liebschaften später vorgehalten - in der
Hauptsache mit dem Zweck der Diffamierung ihres politischen Wirkens: "Um
die öffentliche Stimme, die meine patriotischen Schriften mir eingetragen
haben, ins Schwanken zu bringen, verbreiten unbesonnene Menschen überall,
dass ich Liebhaber gehabt habe; gewiss, diese Bemerkung ist neu und ganz
besonders wesentlich.[1]"
Biografen und Geschichtsschreiber haben in der Folge an diese Diffamierung
angeschlossen und Olympe de Gouges wiederholt als Kurtisane dargestellt.
Die ersten Jahre in Paris muss Olympe de Gouges zu intensivem Selbststudium
genutzt und an ihrer intellektuellen Entwicklung gearbeitet haben. Sie
umgab sich mit adeliger Prominenz, Wissenschaftern, Literaten und Künstlern.
Sie machte die Bekanntschaft von Philippe von Orléans, dem späteren
Philippe Egalité, dessen Palais Royal im Mittelpunkt des Pariser
Divertissements stand.
Louis-Sébastien Mercier, ein bedeutender Literat seiner Zeit, wurde
ihr Freund und Lehrmeister, er förderte ihren Intellektualismus und
unterstützte sie in ihrem Schreiben.
Femme des Lettres
De Gouges' erstes Werk ist der oben erwähnte
Briefroman Mémoire de Mme. de Valmont,
der 1784 erschien und von (ihrer) illegitimen Herkunft handelt. Sie trat
damit zu dem Zeitpunkt als Literatin an die Öffentlichkeit, als ihr
wahrscheinlich leiblicher Vater und gefeierter Literat, der Marquis de
Pompignan, starb.
Zu dieser Zeit begannen die Diffamierungen gegenüber der engagierten
Olympe de Gouges, was sie ganz besonders zu
spüren bekam, als sie versuchte ihr erstes Stück Zamore
et Mirza ou l´heureux naufrage, an der
Comédie Française aufführen zu lassen. Dieses Theater
verfügte über ein Monopol und war auch von seinen adeligen Unterstützern,
den Kolonisten, abhängig, die das Stück wegen seiner Sklavenfreundlichkeit
ablehnten. Ein jahrelanger Streit entbrannte, in dessen Folge de Gouges
letztendlich erreichte, dass ihr Stück 1789 aufgeführt, danach
aber für immer abgesetzt wurde.
Olympe de Gouges verfasste eine Vielzahl
von Schauspielen und Romanen, von denen einige erhalten geblieben,
kaum ein Stück davon allerdings jemals auf Deutsch übersetzt
worden ist. Ihr letztes Drama 1793 heißt L´entrée
de Dumourier [sic] à
Bruxelles ou les vivandiers und wurde ihr politisch
gefährlich, weil jener Dumouriez, von dem das Stück handelt,
wenige Tage nach der Uraufführung zum Feind überlief.
Politikerin und Feministin
Einen Namen machte sich Olympe de Gouges aber
mit anderen Schriften: Sie verfasste tagesaktuell Wandzeitungen, Pamphlete
und offene Briefe, in denen sie ihre politische Meinung kundtat. Sie machte
sich unbeliebt als Gegnerin der Sklaverei und wurde verhöhnt für
ihre Forderung nach der Gleichberechtigung von Frauen. In diesem Sinne
kämpfte sie für Bildung, Berufe und Eigentumsrechte für
Frauen sowie gegen Privilegien, Vaterschaftsleugnungen und Patriarchenrechte
der Männer. Olympe de Gouges versteckte sich kaum jemals hinter ihren
politischen Schriften, sondern nannte beharrlich ihren Namen und betonte
ihr Frau-Sein.
Als Anfang September 1791 die Verfassung, beruhend
auf der ,Déclaration des droits de l´homme et du citoyen’
[Erklärung der Rechte des Menschen/Mannes und Bürgers] verabschiedet
und Frankreich konstitutionelle Monarchie wird, publiziert sie ihre ,Déclaration
des droits de la femme et de la citoyenne’ [Erklärung
der Rechte der Frau und Bürgerin] und schickt sie an die Nationalversammlung.[2]
Diese Erklärung ist ein weiblicher Gegenentwurf
zur sog. allgemeinen Menschenrechtserklärung [und] erweist sich in
der detaillierten und vergleichenden Analyse als ein politisches Programm,
an dem sich in der Folge sowohl die Politik der alten wie der neuen Frauenbewegung
messen lassen kann.[3]
Der Rechtsentwurf wurde ignoriert.
Kämpferin und Opfer des Terror-Regimes
Am 30.10.1793 wurden alle „Clubs und Vereine
von Frauen“ verboten. Zu diesem Zeitpunkt wurde de Gouges bereits
einige Monate gefangen gehalten, nachdem sie zuvor Schmähschriften
gegen Robespierre und Marat („Usurpator der Macht“ und „willenloser
Handlanger“) veröffentlicht und mit ihrer Wandzeitung Les
trois urnes ou le salut de la patrie par un voyageur aérien
zu einer direkten Volkswahl aufzurufen versucht hat. Dieses Plakat, das
niemals an die Öffentlichkeit gelangte, wurde de Gouges zum Verhängnis.
Sie hatte zu diesem Zeitpunkt weder Freunde im monarchistischen noch im
republikanischen Lager. Von den Jakobinern wurde sie den Girondisten zugerechnet
und in Haft genommen. Olympe de Gouges war aufgrund der langen Gefangennahme
krank und schwach, als sie dem öffentlichen Ankläger des Revolutionstribunals
Antoine-Quentin Fouquier-Tinville vorgeführt wurde: Ich
bat um einen Verteidiger meiner Wahl. Ich bekam zu hören, dass dieser
nicht anwesend sei oder sich nicht mit meiner Verteidigung belasten wollte;
angesichts dessen Abwesenheit bat ich um einen anderen. Die Antwort lautete,
dass ich genug Hirn habe, um mich selbst zu verteidigen.
(Zitat aus dem letzten Brief de Gouges' an ihren Sohn)[4]
.
Am 03.11.1793 wurde Olympe de Gouges guillotiniert.
[1] Olympe de
Gouges: Avis pressant ou Réponse
à mes calomniateurs; 1789
[2] Schröder, Hannelore (Hg.):
Olympe de Gouges: Mensch und Bürgerin
„Die Rechte der Frau“ (1791); ein-FACH-Verlag,
Aachen, 1995; S 88
[3] Gerhard, Ute: Gleichheit
ohne Angleichung; Beck, München, 1990;
S 10
[4] zitiert nach: De Gouges, Olympe:
Mensch und Bürgerin „Die Rechte
der Frau“ (1791); Schröder,
Hannelore (Hg.), ein-FACH-Verlag, Aachen, 1995; S 93 |