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L'esprit français, 1792
[...]
Ich habe das Gute vorgeschlagen, ich habe das Laster verfolgt
und ich habe gezeigt, worüber es nachzudenken gilt, wenn es um die
wichtigste der Fragen und um das zukünftige Wohl der Menschen geht.
Aber was sind in diesem Moment die schrecklichen Alternativen, vor denen
die wahren Interessen des Vaterlandes stehen? Dieses Vaterland befindet
sich heute zwischen zwei entsetzlichen Abgründen, in denen Artillerien
aufgestellt sind, die es verschlingen sollen. Der Despotismus brennt darauf,
es blutig zu erobern, die republikanische Anarchie möchte es lieber
in Brand stecken, als einen Charakter sehen lassen, der einem freien Volk
würdig ist. Das Feuer lodert im ganzen Königreich und man kann
weder die Architekten dieser schrecklichen Komplotte noch die Befehlshaber
der Brandstifter ausmachen. Sind es die Monarchisten? Die Republikaner
und zudem die Cromwellisten, wohin gehen sie im gemeinschaftlichen Miteinander,
trotz unterschiedlicher Interessen? Das ist die schmerzhafte Aussicht,
die uns das entsetzliche Bild Frankreichs gibt. Das ist das Ergebnis der
französischen Geisteshaltung.
Könnten doch diese Gedanken einen brüderlichen Krisengipfel
erzeugen und die Herzen der rechtschaffenen Männer in der Sache des
Landes zusammenbringen! Könnten doch diejenigen, die das Chaos hervorrufen
und die die Anarchie als Patriotismus darstellen, und könnten doch
schließlich die Kreaturen des Despotismus, die sich mit dem Mantel
der konstitutionellen Monarchie bedecken, ausgeforscht werden und gemäß
dem Gesetz als Aufrührer und Störenfriede der öffentlichen
Ruhe auf dem Schafott sterben! Und könnten doch - zum letzten Mal
- die patriotischen Journalisten erkennen, dass das öffentliche Interesse
möglicherweise von ihrer Weisheit und ihrem reinen Bürgersinn
abhängt, könnten sie doch jedem Sarkasmus abschwören, jeder
Prominenz und jeder gewagten Verleumdung, die das Volk, indem ihm die
Wahrheit verborgen wird, aufhetzen kann! Treue Wachposten der Bürgerinteressen
und der sozialen Ruhe schließt untereinander einen Bund, der eure
tiefste Abneigung gegenüber den Schreibern zum Ausdruck bringt, die
von dem Zustand und dem Maß abgehen, das ihr hernehmt, um das Volk
künftig zu erleuchten und um es nicht aufzuhetzen, bevor die Wahrheit
der Sachverhalte ergründet ist. lasst ab von euren Vorlieben besonders
für diese vulgären Kritiken, die das Volk nicht nur die Verachtung
der Oberhäupter, sondern auch die des Gesetzes lehren.
Die Räuber ermorden unter dem Mantel des Bürgersinns die Organe
des Gesetzes und liefern Frankreich der Plünderung aus. Und auf diese
Art wird das Volk in Verwirrung gestürzt. Was für ein auffallendes
Beispiel bietet nicht der Bürgermeister von Etampes[1]
allen Journalisten, den Freunden der Freiheit!
Werden denn die Menschen niemals klug genug, menschlich genug, sein, um
sich zur göttlichen Absicht zu erheben? All seine Erlässe finden
sich in der Natur und alle sind verzerrt in den Händen der Menschen.
Der Mensch ist von Natur aus gut geboren, schlecht durch die Gesellschaft,
Lügner und Verleumder aus Gewohnheit, bestialisch durch Vorbild,
wissend aus Schwärmerei, verstiegen durch Triebe; das ist das Leben
der Menschen. Kaum haben sie ihre Füße auf der Erde, um sich
einen Weg zu finden, geschieht es, dass diese bewegliche und zerbrechliche
Erde sich unter ihren Schritten öffnet. Die Dummen! Sie leben nur
einen Tag, eine Stunde, eine Minute im Vergleich zu den Jahrhunderten,
und dieses kurze, schnelle Leben voller Unwetter, Gebrechen, Schändlichkeiten
und menschlichen Schmerzen hat sie noch nicht zur Form einer weisen und
menschlichen Regierung geführt.
Habe ich nun also in dieser kurzen Moral all meine guten Absichten unterzubringen
geschafft und die nützlichen Mittel, die ich in diesem wortreichen
und oft unpräzisen Werk vorschlage! Es liegt nicht in meiner Macht,
meinen Eifer zu zügeln und ihn auf einen kurzen und präzisen
Raum zu reduzieren, es liegt nicht in meiner Macht, den Leser durch einen
glanzvollen und gefragten Stil mitzureißen. Eher natürlich
als redegewandt, das ist meine Note. Die Sprachpfleger verpassen ihr das
Siegel der Kritik, ich pfeife darauf, wenn ich die Freunde des Vaterlandes
interessiere. Ich habe keine andere Hoffnung und mein Ziel ist damit erreicht.
[...]
[1] Jacques-Guillaume
Simonneau, Bürgermeister vom Etampes, wurde am 3. März 1792
im Zuge einer Revolte der Bürger wegen des Hungers getötet.
Er hatte sich an der Spitze der Soldaten dem Volk entgegengestellt und
ihm bekundet, nicht gegen das Gesetz handeln zu können, woraufhin
er umgebracht worden ist. Er galt in der Folge als Märtyrer für
das Gesetz.
© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2008
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