Olympe de Gouges (1748 - 1793)
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Le bon sens français, 1792


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Müde, erschöpft und der Politik überdrüssig, aber immer noch aktiv für die öffentliche Sache, hatte ich geplant am Ostertag mit meinem Sohn zum Abendessen aufs Land zu fahren. Dieser Tag war für mich sicherlich ein Glückstag, jedoch erwartete mich ein Abendteuer bei der Rückfahrt:
Diese Absonderlichkeit geschah zur Bekräftigung all dessen, was ich Seltsames in meinem Leben erfahren habe, und besonders der Verdächtigungen, die sich verbreiteten, dass ich einige Autoren zu meiner Verfügung hättee.
Es ist Zeit diesen Betrugsvorwurf zu widerlegen, es ist endlich Zeit, dass meine Unwissenheit mir selbst als Schild gegen die Streiche dient, die man gegen meinen Ruf führen will. Ich werde meinem Leser nicht mit all dem auf die Nerven fallen, was ich vorbringen könnte hinsichtlich der Besserwisser, der falschen Weisen und des schreibenden Ungeziefers, ich appelliere an die Besten der Literaten, ich sollte nur von wahrlich verdienstvollen Menschen beurteilt zu werden. Die offensichtlichen Diebstähle, die man bei mir macht, diese nahezu allgemeine Ungläubigkeit, alles das beweist mir, dass ich mich über dem Mittelmaß befinde, aber ich komme zu dem Abenteuer und dann werde ich den Fehdehandschuh werfen.
Der Spaziergang war schön, er führte uns weiter weg, als wir gewollt haben, wir verzichteten auf den Wagen, der uns hergeführt hatte, und ich machte den Vorschlag, zu Fuß bis Bonshommes zu gehen, wo wir eine triste Aristokratenkutsche finden würden. Ich wurde in meiner Erwartung enttäuscht, es fand sich keine und ich war über alle Maßen müde. Mein Sohn kümmerte sich um einem Platz, ein bürgerliches Gespann hielt und bot einen an. Der Fahrer des Gespanns war ein Mann von ungefähr fünfzig bis sechzig Jahren und er bot mir diesen Platz mit so viel Anständigkeit an, dass die Not, in der ich mich befand, mich nicht einen Moment zögern ließ anzunehmen.
Während ich in das Gespann stieg, erwähnten die, die bei meinem Sohn blieben, meinen Namen. Es waren Frauen. Der Herr, der mir den Platz angeboten hatte, sagte zu mir: „Man hat Madame de Bouges erwähnt, die ich sehr gut kenne.“ „Das ist nicht Madame des Bouges“, antwortete ich ihm, „es ist Madame de Gouges.“ „Madame de Gouges“, sagte einer von der Art eines Jemands, der im Gespann saß, „jene, die schöngeistige Dinge macht, ich kenne sie gut, und wie gut!“ Ich wendete mich um und betrachtete diese komische Gestalt, die ich noch nie gesehen hatte: „Gut?“, antwortete ich ihm. Aber dann sah ich mich schnell vor und hörte auf, Madame de Gouges zu sein, um es diesen Unbekannten zu ermöglichen, frei über mich zu sprechen.
Wenige Menschen hätten so lange wie ich mit so viel Standfestigkeit und Geistesgröße die Übertreibungen dieses Jemand ausgehalten.
Wie stellt sich ein geistloser Hochstapler doch bloß! Dieser hier trieb die Unverschämtheit auf den Gipfel, denn, wenn ich nicht Madame de Gouges war, hätte er docvh zumindest ahnen können, dass ich eine ihrer Freundinnen war. Er wollte zu verstehen geben, dass er ein Verhältnis zu ihr hatte, das besser nicht sein konnte.
Nachdem er meine Geburt durchgegangen ist, das Schicksal meines Mannes, meinen Entschluss, seinen Namen nicht zu tragen und tausend Dämlichkeiten dieser Art, welche die vormals Adeligen den Nichtadeligen anlasten, nachdem er darüber sehr viel gelacht hatte, brachte ich ihn auf die Werke der Madame de Gouges. „Über ihre Werke!“, rief er aus, „Könnten Sie jemals glauben, dass sie ein Wort dessen auch nur gedacht hat, was in ihrem Namen gedruckt wird? Sie kann noch nicht einmal lesen!“ „In dieser Sache stimme ich Ihnen zu, gerade weil sie keinerlei Ausbildung hat, ist ihr Allgemeinwissen über die Wissenschaften erstaunlich in den Augen derjenigen, die sie besser kennen als ich, und ich gebe zu, dass man ihr angebliches Unwissen oft bezweifelt hat. Ich habe sie Theaterstücke schreiben gesehen in Gegenwart mehrere Personen, wodurch sie eine diesbezügliche Wette gewonnen hat.“ „Ach, Madame“, antwortete mein Ungläubiger mit Unverschämtheit, „das Stück war verfasst, man hat es ihr auswendig antrainiert!“ „Sind Sie sich dessen wirklich sicher?“ „In solchem Maße“, sagte er, „dass ich gerne wetten würde, dass sie es nicht in meiner Gegenwart ebenso machen könnte, denn ich habe schon eines verfasst.“ Der vernünftige Mann bemühte sich, so gut es ging, die Unbesonnenheit
dieses feigen Angebers abzumildern, und ich hatte das Durchhaltevermögen, seinem Repertoire an Albernheiten und Infantilität auf den Grund zu gehen. Als wir aber mein Haustor erreichten, bedankte ich mich beim vernünftigen Mann für den Platz, den er mir in seinem Gespann zur Verfügung gestellt hatte und mit wenigen Worten führte ich diese Rede gegen den mit Aristokratie und Dummheit vollgepfropften Kerl: „Monsieur, ich habe ihrer törichten Rede mit der Ruhe einer Philosophin zugehört, mit dem Mut eines tapferen Mannes und mit wachem Ohr. Ich bin selbige Madame de Gouges, die sie niemals kennen gelernt haben und die zu kennen Sie nicht gut genug sind. Nutzen Sie die Lehre, die ich Ihnen erteile, man findet Männer Ihrer Sorte gemeinhin, aber lassen Sie sich gesagt sein, dass es Jahrhunderte dauert, um Frauen wie mich hervorzubringen.“
Er wollte sich entschuldigen, indem er mir versicherte, dass es sich um eine andere Madame de Gouges handelte, aber ich beließ ihn in seiner Verwirrung und ging nach Hause. Als Jean-Jacques bei einer ähnlichen Gelegenheit sich von zwanzig Offizieren hochgenommen fand, die ihn nicht kannten und die seine unsterblichen Schriften anschwärzten, sogar ohne sie gelesen zu haben, hielt er unter diesen Umständen eine Jean-Jacques würdige Rede, würdig einem von Natur aus großen Mann (einfach und scheu in Gesellschaft, wie jedermann weiß). Er erhob sich vom Tisch und vernichtete diese lächerlicher Horde an Dummlingen. Jeder beeilte sich, ihn um Verzeihung zu bitten, aber diese Entschuldigungen konnten seine Verachtung nur vergrößern.
Zweifellos weniger groß und mir meiner Mittel weniger gewiss als dieser unsterbliche Mann, halte ich es für mich für unverzichtbar, die Behauptungen dieses Unbekannten öffentlich zu widerlegen. Die Person, die mir den Platz in ihrem Gespann überlassen hat, ist ein Mitglied der Jakobiner. Er hat mit erzählt, im Garten der Feuillanten über das Fest gesprochen zu haben, das man vorgeschlagen hat den Soldaten von Chateau-Vieux und Monsieur Collot d´Herbois, ihrem Verteidiger, zu geben. Wenn die Mitglieder der „Freunde der Verfassung“ [Jakobiner, Anm. der Übers.], wie ich zu glauben mich freue, wirklich durchdrungen sind von der Gerechtigkeit der Interessen das Vaterlandes, so stelle ich im Namen aller Dinge, die ich für es getan habe, eine Anfrage an eines ihrer Mitglieder, den rechtschaffenen Mann, der mich in sein Gespann aufgenommen hat, den Jemand zu benennen, der mich herausgefordert hat, nicht um ihn der allgemeinen Empörung auszusetzen, sondern um ihn zu zwingen, seine Aufschneiderei und seinen Irrtum zuzugeben.
Ich schlage also den „Freunden der Verfassung“ vor, einen Wettbewerb zu eröffnen zwischen mir und diesem Jemand, der sich Autor nennt und der versichert für Madame Gervais einige Stück in Versen verfasst zu haben, mit denen er alle Zeitungen belästig hat. Er hat sich einen Freund des vormaligen Bischofs von Montauban, dem niedertächtigsten und verdorbensten der Prälaten, genannt, von dem ich ahne, dass er einer seiner Schöntuer ist. Es werden zwei Themen für Lustspiele vorgeschlagen werden. Ich wette fünfzig Taler zugunsten der Soldaten von Chateauvieux, den Stoff inmitten der Versammlung der Jakobiner oder in der Gegenwart von Kommissaren, die zu nennen es ihm belieben wird, zu behandeln. Ich verlange nur einen Sekretär, der so schnell schreibt wie ich spreche.
Was den neuen Midas betrifft, dem man zweifellos die Gnade erwiesen hat, schreiben und lesen und lernen, er wird sein Stück schreiben oder diktieren, aber immer noch in Gegenwart der Kommissare. Er wird seinerseits ebenfalls 50 Taler hinterlegen, und sollte mein Stück innerhalb aller Regeln und Grenzen des Theaters nicht besser ausgeführt sein als das Seine, dann werde ich eine gute Tat vollbracht haben. Ich spreche nicht vom Stil, vielleicht wird es sich als besser geschrieben als seines herausstellen, sondern ich spreche vom Aufbau, von den Szenen, den Charakteren, von der Einheitlichkeit und vom dramatischen und schöpferischen Geist; das ist es, was ich glaube ihm streitig machen zu können. Wenn Racine seine fertigen Entwürfe ansah, sagte er: „Meine Tragödie ist fertig, ich muss nur noch die Verse schreiben.“
Ich zweifle nicht, dass das ehrenwerte Mitglied der Gesellschaft der Jakobiner, das ich wiedererkennen werde, denn ich habe sein Bild vor Augen, sich als rechtschaffener Mann einer Frau gegenüber verhalten wird, die den Beweis von soviel Umsicht erbracht hat und die aufgrund dieser Herausforderung kein anderes Ziel hat, als eine gute Tat zu setzen und diesen verächtlichen Haufen von Dummköpfen zu entlarven, der sich gegen meine Schriften erhebt und mir mein Eigentum streitig macht.
Ich gebe zu, dass wenige Frauen unter ähnlichen Umständen den Eifer für diesen Wettstreit zeigen würden. Aber ich, die ich nichts fürchte, ich, die ich mit keinem Literaten bekannt bin, die ich mich mit keinem verbinden wollte, die ich von niemandem Unterstützung habe, die ich meine Schriften mit zahllosen Grammatikfehlern drucken lasse - all diese Mäkel gehören sicherlich zu meiner Note - aber was!? Man hat noch die Verrücktheit zu sagen, dass diese Nachlässigkeiten für mich vorgetäuscht werden! Bis zu welchem Ausmaß sind die Franzosen fähig, die Dummheit zu treiben?
Es ist Zeit, dass man durch mein Beispiel einem nicht nur jedem Bürger, sondern auch dem öffentlichen Interesse abträglichen Vorurteil kein Vertrauen mehr schenkt.
Es ist einfach, Lügen zu konstruieren und Dummheiten über Dummheiten anzuhäufen, um dem Schlechten, das man tun möchte, Ansehen zu verleihen, aber wird sich in diesem Jahrhundert der Aufklärung nicht schließlich die Gleichberechtigung durchsetzen, und wenn ein Individuum Gerechtigkeit verlangt, wird man sie ihm verweigern können? Das fordere ich im Namen meines ganzen Geschlechts, im Namen der Vernunft und all dessen, was ich für mein Vaterland getan habe.
Dieser Triumph wird mir genauso lieb sein wie eine staatliche Ehrenpension, wenn ich sie verdient hätte. Und wenn man bis jetzt den Frauen genauso wie einem Großteil der Männer ihre Werke streitig gemacht hat, wird man sagen, dass eine Frau diese Ungerechtigkeit zu bekämpfen gewusst hat.
Ich ende damit zu bemerken, dass ich keine Kenntnis des Themas haben will, das zu behandeln man mir geben wird, bis zum Moment selbst, an dem man es mir vorschlägt, und dass ich es öffentlich verfassen werde.
Dieser Vorschlag ist der neuen Ordnung der Dinge würdig, er zeigt in jeder Hinsicht das Interesse, den Eifer und einen gleichberechtigten Standpunkt, der dem erneuerten Frankreich würdig ist.

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© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2008