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Le bonheur primitif de l'homme, 1789
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Wenn die ganze Welt mich in meinem letzten Moment nach meinen
Ansichten fragen würde, die die Wiederentdeckung des Glücks
des Menschen und des Gesetzes, das ihn in diesem Glück halten könnte
(das nach so vielen Jahrhunderten, die vergangen sind, seitdem der Ehrgeiz
es vertrieben hat, nicht mehr anwendbar ist), bewirken könne, ich
würde die ganze Welt also verweisen auf den ersten Menschen, der
am Ende seines Lebens seine Kinder über Gleichheit und Menschlichkeit
belehrt:
„Ich habe vom Himmel Klugheit, Empfindung und Sprache erhalten.
Diese den Instinkten der Tiere überlegenen Vorzüge machten mich
gegenüber allen Tieren der Erde ganz mächtig und furchterregend.
Ich habe gefühlt und gewusst, dass ich meine Kinder in derselben
Bestimmung erziehen musste, die Gott mir gegeben hatte. Ich sah die Tiere
allerorten dahineilen, ohne jemals einen festen Zufluchtsort zu haben
und ihre Ernährung und ihr Nachtlager nur dem Zufall zu verdanken.
Meine erste Sorge war die, meinen Körper mit Blattwerk zu bedecken.
Meine Ernährung bestand zuerst aus Früchten, aber als ich den
Gebrauch des Feuers erkannte, wurden die Tiere zu meiner Nahrung und in
dem Ausmaß, in dem ich meine Erleuchtung erweiterte, erkannte ich
außerdem, dass die Haut des Bären, des Löwen und anderer
Tiere besser geeignet war, mich zu bedecken und mich zu wärmen als
die Blätter, die nach Ablauf weniger Stunden auf meinem Körper
vertrocknet waren. Um mich geschützt vor der Sonne zur Ruhe zu begeben,
ging ich in den Wald. Aber in der Nacht war es zu kalt, der Tau des Morgens
und des Abends verjagten mich bald von dort. Die dichten Bäume erschienen
mir geeignet, mir ein zuträglicheres Obdach zu verschaffen, wenn
ich ihre Stellung veränderte. Es geschah an einer trockenen und ebenen
Stelle, dass ich meine erste Hütte aufstellte. Ich bedeckte sie mit
Zweigen und Blattwerk und ich suchte nach den trockensten Blättern,
um meinen Schlafplatz zu gestalten. Meine Gefährtin gab mir einen
Hinweis auf die kleinen Vögel, die ein Nest aus gediegeneren Materialien
gebaut hatten als die, die ich für mein erstes Obdach verwendete.
Ich nahm das Nest und untersuchte, wie es gemacht war; aus einem Grund,
den ich nicht durchschauen konnte, erkannte ich, dass, wenn mir das höchste
Wesen Vernunft und intellektuelle Fähigkeiten gegeben hat, es den
Tieren einen Instinkt gegeben hat, der der höchsten Erleuchtung überlegen
war, die mir gewährt worden ist. Ich fand in diesem Nest drei kleine
Vögel, die soeben geschlüpft waren. Sie waren mit einer Art
Flaum bedeckt, der ihre Wohnstatt abgeschlossener machte. Das Gehäuse
dieser Wohnstatt war zusammengesetzt aus Erde, Stroh und schließlich
einem sehr festen Material. Vom selben Moment an erbaute ich eine Hütte,
dem Beispiel dieses Nestes folgend: Ich bedeckte sie mit Stroh, und Federn
von Vögeln, die ich tötete, wurden unsere Schlafstatt. Wir haben
unsere Bleiben in dem Ausmaß verschönert, in dem unser Wissen
sich weiterentwickelt hat. Aber schließlich wünsche ich mir,
meine Kinder, dass ihr auf der Stufe bliebet, die wir erreicht haben.
Eure Familien werden wachsen: Fürchtet euch davor, eure Bedürfnisse
zu vermehren. Das Glück ist mit dem Menschen geboren, ich habe es
bis heute für euch bewahrt: Habt Angst, es zu verlieren.“
Alle warfen sich zu seinen Füßen, um ihn nach den Mitteln zu
fragen, die Ordnung und die Freundschaftlichkeit aufrechtzuerhalten, die
zwischen ihnen herrschte, und die Strafe für denjenigen zu nennen,
der sich davon entfernen würde.
„Er wird“, sagte er ihnen, „die Strafe in seinem eigenen
Unglück finden. Weil ich euch liebe, so wie ihr mich liebt, und weil
ich euch vereint sehe, so wie ihr es seid, kann ich das unglückliche
Schicksal nicht vorhersehen, das euch auseinander bringen könnte.
Aber schließlich bittet ihr mich vorherzusehen, was ich für
euch fürchte, ohne den Grund dafür zu erahnen. Ich werde für
euch ein Gesetz erlassen. Es möge euch immer in dem Glück erhalten,
in dem ich euch zurücklasse, und niemals die Quelle eures Übels
werden! Wehe dem, der ihm zuwiderhandelt, er wird sicher nicht der Letzte
sein.“
Wahrscheinlich spürte der weise Greis, dass der Mensch zum Ungehorsam
und zur Auflehnung neigte, aber die Jubelrufe seiner Kinder ließen
ihn vorhersehen, dass der Mensch in einer hierarchischen Ordnung leben
wollte und er verkündete: „Ihr seid hundert an der Zahl. In
weniger als einem Jahrhundert werdet ihr tausend sein. Die Erde ist groß
genug für eure Bedürfnisse zu sorgen, aber man muss die Natur
mit Sorge unterstützen. Man muss die Erde bebauen. Und im Ausmaß,
in dem ihr Entdeckungen machen werdet, werdet ihr den Wetteifer sich unter
euch verbreiten sehen. Eure Güter seien in Gemeinschaftsbesitz, eure
Anteile gleich, eure Kleidung und eure Wohnstätten dieselben, eure
Gebräuche einfach und mild. Der Vortag der Ernte sei ein Festtag.
Der leidenden Menschheit soll immer durch die starke und rüstige
Menschheit beigestanden werden, die Kinder sollen den Vätern dienen,
die jüngeren Brüder den älteren, ausgenommen im Fall von
Krankheit. Wenn der Sohn krank ist, wird der gesunde Vater zum Sohn und
muss ihm allen Beistand geben, den ein Vater seinen Kindern geben kann,
der ältere Bruder wird zum jüngeren und derjenige, der weder
Vater noch Bruder hat wird zum Adoptivsohn oder zum nähesten Nachbarn,
er hat dieselben Vorrechte wie die anderen Kinder. Alle Menschen müssen
unterschiedslos am Gemeinwohl mitwirken, ohne sich ihm unter irgendeinem
möglichen Vorwand verweigern zu können, außer dem Gebrechen
und der Krankheit. Die Frauen, die ihre Kinder stillen werden, werden
von der öffentlichen Arbeit ausgenommen sein; die jungen Mädchen
werden aufs Feld gehen, die Tiere hüten. Es scheint mir, dass die
Wolle der Schafe ein Besitz ist, der eines Tages sehr nützlich werden
könnte. Aber es sind nicht die Erfahrungen, die ihr wahrscheinlich
machen werdet, über die ich mich äußern soll. Ich fühle,
dass Gott sich von mir das Leben zurückholt, das er mir gegeben hat,
und dass ihr euch durch meinen Tod überzeugen werdet, dass der Mensch
nichts tut, als geboren zu werden und zu sterben. Aber verliert das Gesetz
nie aus den Augen, das ich unter euch festsetze. Dass derjenige, der einen
Eingriff in das Recht seines Bruders, seines Nachbarn, seines Freundes
vornehmen will, wie ein Aufrührer aus der Mitte der Familie und der
Gesellschaft gejagt werden soll. Er wird gehen, um ganz alleine in der
Einöde zu leben und dort zu erwarten, dass der Zorn des Himmels sein
Leben beendet. Beschmutzt eure Hände niemals mit dem Blut von Euresgleichen:
Gott allein hat das Recht über das Leben der Menschen zu verfügen,
weil Gott allein es ihm gibt. Ihr könnt nicht das Leben eurer Brüder
verkürzen, ohne euch seinem ewigen Zorn auszusetzen, ohne zugleich
die höchste Gottheit und seine himmlische Macht zu verletzen …
Nehmt einem Bösen die Mittel weg, seine Bosheit auszuüben, aber
nehmt ihm nicht weg, was euch nicht gehört. Überlasst dem höchsten
Wesen das, was allein ihm zur Verfügung steht: Er ist es, der mich
anregt und mich wieder belebt in meinen letzten Augenblicken. Folgt ihm
überall in der Natur, erhebt den Blick zum Himmel und verliert niemals
aus dem Sinn, dass er stets eure Taten sieht und in euren Seelen liest.“
Der Greis bat seine Kinder als letzten Dienst darum, dass man ihn auf
die Türschwelle legte, damit er noch die Sonne betrachten konnte.
„O mein Gott“, rief er dieses Gestirn bewundernd, „ich
kann Ihnen vor meinem letzten Moment diese Bitte für meine Kinder
vorbringen: Dass Ihr göttliches Feuer die Erde nicht länger
erwärmt und dass es ihr die Helligkeit entzieht, wenn einer meiner
Nachfahren sich von Naturrecht entfernt, das ich ihm durch Ihre Inspiration
weise.“
Nach diesen Worten umarmte er jedes seiner Kinder und verschied mit einem
auf die Sonne gerichteten Blick.
[...]
© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2008
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