Olympe de Gouges (1748 - 1793)
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Le bonheur primitif de l'homme, 1789



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Wenn die ganze Welt mich in meinem letzten Moment nach meinen Ansichten fragen würde, die die Wiederentdeckung des Glücks des Menschen und des Gesetzes, das ihn in diesem Glück halten könnte (das nach so vielen Jahrhunderten, die vergangen sind, seitdem der Ehrgeiz es vertrieben hat, nicht mehr anwendbar ist), bewirken könne, ich würde die ganze Welt also verweisen auf den ersten Menschen, der am Ende seines Lebens seine Kinder über Gleichheit und Menschlichkeit belehrt:
„Ich habe vom Himmel Klugheit, Empfindung und Sprache erhalten. Diese den Instinkten der Tiere überlegenen Vorzüge machten mich gegenüber allen Tieren der Erde ganz mächtig und furchterregend. Ich habe gefühlt und gewusst, dass ich meine Kinder in derselben Bestimmung erziehen musste, die Gott mir gegeben hatte. Ich sah die Tiere allerorten dahineilen, ohne jemals einen festen Zufluchtsort zu haben und ihre Ernährung und ihr Nachtlager nur dem Zufall zu verdanken. Meine erste Sorge war die, meinen Körper mit Blattwerk zu bedecken. Meine Ernährung bestand zuerst aus Früchten, aber als ich den Gebrauch des Feuers erkannte, wurden die Tiere zu meiner Nahrung und in dem Ausmaß, in dem ich meine Erleuchtung erweiterte, erkannte ich außerdem, dass die Haut des Bären, des Löwen und anderer Tiere besser geeignet war, mich zu bedecken und mich zu wärmen als die Blätter, die nach Ablauf weniger Stunden auf meinem Körper vertrocknet waren. Um mich geschützt vor der Sonne zur Ruhe zu begeben, ging ich in den Wald. Aber in der Nacht war es zu kalt, der Tau des Morgens und des Abends verjagten mich bald von dort. Die dichten Bäume erschienen mir geeignet, mir ein zuträglicheres Obdach zu verschaffen, wenn ich ihre Stellung veränderte. Es geschah an einer trockenen und ebenen Stelle, dass ich meine erste Hütte aufstellte. Ich bedeckte sie mit Zweigen und Blattwerk und ich suchte nach den trockensten Blättern, um meinen Schlafplatz zu gestalten. Meine Gefährtin gab mir einen Hinweis auf die kleinen Vögel, die ein Nest aus gediegeneren Materialien gebaut hatten als die, die ich für mein erstes Obdach verwendete. Ich nahm das Nest und untersuchte, wie es gemacht war; aus einem Grund, den ich nicht durchschauen konnte, erkannte ich, dass, wenn mir das höchste Wesen Vernunft und intellektuelle Fähigkeiten gegeben hat, es den Tieren einen Instinkt gegeben hat, der der höchsten Erleuchtung überlegen war, die mir gewährt worden ist. Ich fand in diesem Nest drei kleine Vögel, die soeben geschlüpft waren. Sie waren mit einer Art Flaum bedeckt, der ihre Wohnstatt abgeschlossener machte. Das Gehäuse dieser Wohnstatt war zusammengesetzt aus Erde, Stroh und schließlich einem sehr festen Material. Vom selben Moment an erbaute ich eine Hütte, dem Beispiel dieses Nestes folgend: Ich bedeckte sie mit Stroh, und Federn von Vögeln, die ich tötete, wurden unsere Schlafstatt. Wir haben unsere Bleiben in dem Ausmaß verschönert, in dem unser Wissen sich weiterentwickelt hat. Aber schließlich wünsche ich mir, meine Kinder, dass ihr auf der Stufe bliebet, die wir erreicht haben. Eure Familien werden wachsen: Fürchtet euch davor, eure Bedürfnisse zu vermehren. Das Glück ist mit dem Menschen geboren, ich habe es bis heute für euch bewahrt: Habt Angst, es zu verlieren.“
Alle warfen sich zu seinen Füßen, um ihn nach den Mitteln zu fragen, die Ordnung und die Freundschaftlichkeit aufrechtzuerhalten, die zwischen ihnen herrschte, und die Strafe für denjenigen zu nennen, der sich davon entfernen würde.
„Er wird“, sagte er ihnen, „die Strafe in seinem eigenen Unglück finden. Weil ich euch liebe, so wie ihr mich liebt, und weil ich euch vereint sehe, so wie ihr es seid, kann ich das unglückliche Schicksal nicht vorhersehen, das euch auseinander bringen könnte. Aber schließlich bittet ihr mich vorherzusehen, was ich für euch fürchte, ohne den Grund dafür zu erahnen. Ich werde für euch ein Gesetz erlassen. Es möge euch immer in dem Glück erhalten, in dem ich euch zurücklasse, und niemals die Quelle eures Übels werden! Wehe dem, der ihm zuwiderhandelt, er wird sicher nicht der Letzte sein.“
Wahrscheinlich spürte der weise Greis, dass der Mensch zum Ungehorsam und zur Auflehnung neigte, aber die Jubelrufe seiner Kinder ließen ihn vorhersehen, dass der Mensch in einer hierarchischen Ordnung leben wollte und er verkündete: „Ihr seid hundert an der Zahl. In weniger als einem Jahrhundert werdet ihr tausend sein. Die Erde ist groß genug für eure Bedürfnisse zu sorgen, aber man muss die Natur mit Sorge unterstützen. Man muss die Erde bebauen. Und im Ausmaß, in dem ihr Entdeckungen machen werdet, werdet ihr den Wetteifer sich unter euch verbreiten sehen. Eure Güter seien in Gemeinschaftsbesitz, eure Anteile gleich, eure Kleidung und eure Wohnstätten dieselben, eure Gebräuche einfach und mild. Der Vortag der Ernte sei ein Festtag. Der leidenden Menschheit soll immer durch die starke und rüstige Menschheit beigestanden werden, die Kinder sollen den Vätern dienen, die jüngeren Brüder den älteren, ausgenommen im Fall von Krankheit. Wenn der Sohn krank ist, wird der gesunde Vater zum Sohn und muss ihm allen Beistand geben, den ein Vater seinen Kindern geben kann, der ältere Bruder wird zum jüngeren und derjenige, der weder Vater noch Bruder hat wird zum Adoptivsohn oder zum nähesten Nachbarn, er hat dieselben Vorrechte wie die anderen Kinder. Alle Menschen müssen unterschiedslos am Gemeinwohl mitwirken, ohne sich ihm unter irgendeinem möglichen Vorwand verweigern zu können, außer dem Gebrechen und der Krankheit. Die Frauen, die ihre Kinder stillen werden, werden von der öffentlichen Arbeit ausgenommen sein; die jungen Mädchen werden aufs Feld gehen, die Tiere hüten. Es scheint mir, dass die Wolle der Schafe ein Besitz ist, der eines Tages sehr nützlich werden könnte. Aber es sind nicht die Erfahrungen, die ihr wahrscheinlich machen werdet, über die ich mich äußern soll. Ich fühle, dass Gott sich von mir das Leben zurückholt, das er mir gegeben hat, und dass ihr euch durch meinen Tod überzeugen werdet, dass der Mensch nichts tut, als geboren zu werden und zu sterben. Aber verliert das Gesetz nie aus den Augen, das ich unter euch festsetze. Dass derjenige, der einen Eingriff in das Recht seines Bruders, seines Nachbarn, seines Freundes vornehmen will, wie ein Aufrührer aus der Mitte der Familie und der Gesellschaft gejagt werden soll. Er wird gehen, um ganz alleine in der Einöde zu leben und dort zu erwarten, dass der Zorn des Himmels sein Leben beendet. Beschmutzt eure Hände niemals mit dem Blut von Euresgleichen: Gott allein hat das Recht über das Leben der Menschen zu verfügen, weil Gott allein es ihm gibt. Ihr könnt nicht das Leben eurer Brüder verkürzen, ohne euch seinem ewigen Zorn auszusetzen, ohne zugleich die höchste Gottheit und seine himmlische Macht zu verletzen … Nehmt einem Bösen die Mittel weg, seine Bosheit auszuüben, aber nehmt ihm nicht weg, was euch nicht gehört. Überlasst dem höchsten Wesen das, was allein ihm zur Verfügung steht: Er ist es, der mich anregt und mich wieder belebt in meinen letzten Augenblicken. Folgt ihm überall in der Natur, erhebt den Blick zum Himmel und verliert niemals aus dem Sinn, dass er stets eure Taten sieht und in euren Seelen liest.“
Der Greis bat seine Kinder als letzten Dienst darum, dass man ihn auf die Türschwelle legte, damit er noch die Sonne betrachten konnte.
„O mein Gott“, rief er dieses Gestirn bewundernd, „ich kann Ihnen vor meinem letzten Moment diese Bitte für meine Kinder vorbringen: Dass Ihr göttliches Feuer die Erde nicht länger erwärmt und dass es ihr die Helligkeit entzieht, wenn einer meiner Nachfahren sich von Naturrecht entfernt, das ich ihm durch Ihre Inspiration weise.“
Nach diesen Worten umarmte er jedes seiner Kinder und verschied mit einem auf die Sonne gerichteten Blick.

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© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2008
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