Olympe de Gouges (1748 - 1793)
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Le cri du sage, 1789



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Man spricht noch von Tugenden und Patriotismus, wenn das eine und das andere [aber] wahrhaftig existierten, hätten sie sich den Generalständen schon zu verstehen gegeben, alle Hefte wären übereingestimmt und die drei Stände könnten gemeinsam in dieser Vereinigung für das Gemeinwohl allein stimmen.
Aber wenn die Geisteshaltung der Parteinahme in dieser Versammlung über den Anstand, die Vernunft und die Gerechtigkeit siegen sollte, werden die Generalstände, die man seit so langer Zeit herbeigesehnt hat, also nur versammelt sein, um Zwietracht zu säen.
Ich habe es vorhergesagt. Möge diese Vorhersage abgewendet werden und mich erkennen lassen, dass ich eine schlechte Prophetin bin, aber zugleich würde ich den Titel einer guten Bürgerin erhalten.
Sie müssen, Messieurs, diese ungeduldige Öffentlichkeit beruhigen.
Wer kann die Ruhe zurückbringen, wenn es Ihre Zusammenkunft nicht kann? Wer kann schließlich Zuversicht herstellen und den Handel zum Erblühen bringen, wenn es nicht der Einklang in Ihren Versammlungen kann? Um sich abzustimmen, ist es notwendig, Ihre speziellen Voreingenommenheiten zurückzustellen, den Dritten Stand zu überzeugen, dass er nicht das Recht hat, alleine neue Gesetze zu schaffen, und der Geistlichkeit darzustellen, dass sie in diesem Moment sich des Prunks, ihrer Würden und eines bedeutenden Teils ihrer Vorrechte entledigen muss.
Überzeugen Sie den Adelsstand davon, dass es ein Unrecht, eine himmelschreiende Demütigung ist, zu verweigern, mit dem Dritten Stand zu tagen, als gäbe es zwischen diesen beiden Ständen unbezwingbare Schranken.
Es gibt keinen Tag, an dem nicht ein vermögensloser Adeliger um die Hand eines Fräuleins aus dem Dritten Stand anhält. Es gibt kein Fräulein von erlauchtem Blut, das dieses Blut nicht mit dem des Dritten Standes gemischt haben würde. Und in diesem Augenblick der Not, in diesen Zeiten des Unheils fürchten Sie sich, Messieurs, Ihre Gedanken mit denen der Männer zu mischen, die Ihnen vielleicht gleichkommen!
Es soll die Ehre aus Ihnen sprechen und das Wohl des Vaterlandes Sie leiten. Und ohne Ihre Titel und Ihre Würden zu verlieren, werden Sie dennoch der Freund Ihrer Brüder und ihnen an Bescheidenheit überlegen sein, weil Sie ja in einem Moment des Zusammenschlusses von Ihrem Rang und von den Rechten absehen, die dieser Rang Ihnen einräumt und die unter allen anderen Umständen heilig sein müssen, die aber in dieser Revolution ungerecht und fehl am Platz sind.

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© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2009
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