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Le
cri du sage, 1789
[...]
Man spricht noch von Tugenden und Patriotismus, wenn das eine und das andere
[aber] wahrhaftig existierten, hätten sie sich den Generalständen
schon zu verstehen gegeben, alle Hefte wären übereingestimmt und
die drei Stände könnten gemeinsam in dieser Vereinigung für
das Gemeinwohl allein stimmen.
Aber wenn die Geisteshaltung der Parteinahme in dieser Versammlung über
den Anstand, die Vernunft und die Gerechtigkeit siegen sollte, werden die
Generalstände, die man seit so langer Zeit herbeigesehnt hat, also
nur versammelt sein, um Zwietracht zu säen.
Ich habe es vorhergesagt. Möge diese Vorhersage abgewendet werden und
mich erkennen lassen, dass ich eine schlechte Prophetin bin, aber zugleich
würde ich den Titel einer guten Bürgerin erhalten.
Sie müssen, Messieurs, diese ungeduldige Öffentlichkeit beruhigen.
Wer kann die Ruhe zurückbringen, wenn es Ihre Zusammenkunft nicht kann?
Wer kann schließlich Zuversicht herstellen und den Handel zum Erblühen
bringen, wenn es nicht der Einklang in Ihren Versammlungen kann? Um sich
abzustimmen, ist es notwendig, Ihre speziellen Voreingenommenheiten zurückzustellen,
den Dritten Stand zu überzeugen, dass er nicht das Recht hat, alleine
neue Gesetze zu schaffen, und der Geistlichkeit darzustellen, dass sie in
diesem Moment sich des Prunks, ihrer Würden und eines bedeutenden Teils
ihrer Vorrechte entledigen muss.
Überzeugen Sie den Adelsstand davon, dass es ein Unrecht, eine himmelschreiende
Demütigung ist, zu verweigern, mit dem Dritten Stand zu tagen, als
gäbe es zwischen diesen beiden Ständen unbezwingbare Schranken.
Es gibt keinen Tag, an dem nicht ein vermögensloser Adeliger um die
Hand eines Fräuleins aus dem Dritten Stand anhält. Es gibt kein
Fräulein von erlauchtem Blut, das dieses Blut nicht mit dem des Dritten
Standes gemischt haben würde. Und in diesem Augenblick der Not, in
diesen Zeiten des Unheils fürchten Sie sich, Messieurs, Ihre Gedanken
mit denen der Männer zu mischen, die Ihnen vielleicht gleichkommen!
Es soll die Ehre aus Ihnen sprechen und das Wohl des Vaterlandes Sie leiten.
Und ohne Ihre Titel und Ihre Würden zu verlieren, werden Sie dennoch
der Freund Ihrer Brüder und ihnen an Bescheidenheit überlegen
sein, weil Sie ja in einem Moment des Zusammenschlusses von Ihrem Rang und
von den Rechten absehen, die dieser Rang Ihnen einräumt und die unter
allen anderen Umständen heilig sein müssen, die aber in dieser
Revolution ungerecht und fehl am Platz sind.
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© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2009
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