Olympe de Gouges (1748 - 1793)
Home   |   Lebenslauf   |   Frauenrechte   |   Werk   |  Zitate   |   Literatur   |   Neuigkeiten

Lettre á Monseigneur le duc d'Orleans, 1789



[...]

Diese Getriebenheit, diese Regellosigkeit, dieses grauenvolle Chaos kann nur die wertvolle Arbeit für den Staat und das Glück des Volkes aufhalten. Die Generalstände würden, um sich ihr vollständig zu widmen, einzig das Zusammengehen der drei Stände erwarten; und das Volk würde, ohne nachzudenken, Waffen gegen sich selbst besorgen.
Man muss es also beruhigen, dieses erregte Volk. Mehr noch, gnädiger Herr, man muss es trösten.
Es gibt keine Arbeit mehr, der Brotpreis ist für die Armen außerordentlich hoch und der Arbeiter ist ohne Beschäftigung. Ich habe die patriotische Gabe schon vorgeschlagen. Stellen Sie, gnädiger Herr, einen Antrag in dieser Sache: Beginnen Sie selbst mit dieser Gabe und das Vaterland, das bald Ihrem Beispiel folgt, wird die Fülle der Hinterländer nach Frankreich zurückbringen und den Brotpreis herabsetzen, damit die Unglücklichen es essen können. Die Franzosen würden Ihnen nicht nur Ihr Wohl schulden, sondern Sie würden auch als die wahre Stütze der Unglücklichen angesehen werden.
Durch diese Tat, gnädiger Herr, werden Sie den Neid und all die ungerechten Verdächtigungen entlarven. Sie werden dann einen wahren Erfolg genießen, Sie werden dann den Titel des ersten Prinzen von Geblüt ins schönste Licht setzen, und mit diesem verbesserten Titel werden Sie auf ewig Ihre Feinde entlarven. Wenn ich einen Moment an all Ihren Tugenden zweifeln könnte, würde ich mich von diesem Augenblick an für verloren ansehen, würde ich mich von diesem Moment an vom Volk hingeschlachtet sehen. Ich, die ich nur sein Wohl und seine Ruhe gewollt habe, ich, die ich in all meinen Schriften die schönen Seelen zu seinen Gunsten angestachelt habe, ich, die ich vielleicht die Autorin all der Wohltaten bin, die sich diesen Winter in der Hauptstadt verbreitet haben werden, ich schließlich, der man nicht eine Schrift gegen den Patriotismus und gegen die Menschlichkeit nachsagen kann. Dieser Lohn wäre schrecklich, aber zu diesem Preis würde ich dem Leben nicht nachtrauern. Solcherart sind meine Grundsätze, gnädiger Herr, meine Vorgehensweisen und meine unabänderlichen Empfindungen.

[...]




© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2009
Impressum