Olympe de Gouges (1748 - 1793)
Home   |   Lebenslauf   |   Frauenrechte   |   Werk   |  Zitate   |   Literatur   |   Neuigkeiten

Pour sauver la Patrie, il faut respecter les trois Ordres, 1789



[...]

Es sollen die Generalstände sich nicht länger täuschen: Sie sollen sich mit kühlem Kopf vergewissern, dass die verzweifelte Öffentlichkeit beginnt, es satt zu haben, dass das Elend allgemein geworden ist, dass die Hungersnot sich am Land ausbreitet, dass der Bauer seine Hütte verlässt und dass er weder Kraft noch Entschlossenheit übrig hat, um die Erde zu bearbeiten.
Welches Volk wäre glücklicher, wenn es erkennen wollte, dass Frankreich der reichste, fruchtbarste und angenehmste Boden Europas ist, wenn die leidende Menschheit unter diesen Umständen ihren Verstand erleuchtete, wenn es sich sagen könnte, dass das Leben des Menschen so kurz und stürmisch ist, dass er sich nicht auch noch selbst zusätzliche Qualen bereiten soll!
Wenn die Not in Frankreich schon seit langem groß ist, was gäbe es erst für ein Elend in einem Bürgerkrieg nach dieser Not?
Die Wechsel der Bank, die Diskontscheine der Kassen und selbst das Gold würden keinen Kurs und keinen Wert mehr haben, so wie alle erdenklichen Schätzen. Man würde sich die Lebensnotwendigkeiten nicht verschaffen können und die Franzosen, die gezwungen wären, wie die Tiere Wiesen abzuweiden, würden ihr Schicksal beschließen, indem sie zu spät dem Glück und dem Leben nachtrauerten, die sie in einem grauenvollen Blutbad verloren hätten.
Wenn die Generalstände im Augenblick der Gefahr diese Wahrheit erkennen, wenn die klagende Menschheit, die sie inständig auf Knien anfleht, eine der beiden Parteien dazu bringt, ihrem Bitten nachzugeben, ist das Königreich gerettet. Alles wird in dem Moment wiedererstehen, in dem alles sich zu zerschlagen scheint.
Der Schmerz trägt mich über mein Geschlecht hinweg und sollte er mich auch der Gefahr aussetzen, dass ich ganz alleine daran zugrunde gehe, führt mich mein Eifer [dennoch] bis an den Fuß des Throns.
Ja, Sire, man täuscht sie, man missbraucht die Güte der Prinzen, der Adel selbst ist im Irrtum.
Der kleinste Ihrer Untertanen ist ganz bereit zum Aufstand, die Köpfe aller Bürger sind erhitzt, der Aufruhr hat seinen Höhepunkt erreicht und seine Auswirkungen werden schrecklich und grausam sein.
Sire, hören sie nur auf die Stimme Ihres Herzens. Ihr Minister erhält noch einen Rest an Vertrauen aufrecht, und dieser schwache Rest erhält das Vaterland aufrecht und bewahrt all Ihre Untertanen.
Er ist dem Wohl Frankreichs nützlich und darüber hinaus den Franzosen teuer.
Ja, Sire, es ist eine Frau, die so zu Ihnen spricht, eine einfache Privatperson, die nichts als das Wohl ihres Landes sieht. Letztlich eine wahre Französin, die ihren König liebt und achtet und die sich opfern würde, um ihr Land zu retten. Nicht wie Jeanne d’Arc mit dem Schwert in der Hand, nicht der Fanatismus erweckt ihren Eifer. Es sind die Vernunft und die Wahrheit, die ihren Mut lenken und es ist die Stimme der Milde, nicht die der Waffen, mit der sie es wagt, Ihnen, Sire, darzustellen, dass es, um Ihr Königreich zu retten, notwendig ist, Ihre Untertanen einander anzunähern und sie durch Ihr Beispiel zu erkennen zu zwingen, dass unter solch stürmischen Umständen allein die Mäßigung die Ruhe zurückbringen und zeigen kann, dass das Gemeinwohl das einzige Ziel sein muss, noch dem alle Geister streben sollen.
Der Dritte Stand muss einsehen, dass das Volk in diesem Moment imstande ist, einen falschen Eindruck zu gewinnen, dass [deshalb] selbst in seinen Versammlungen seine Mitglieder nicht das Recht haben, Einhaltungen zu machen, ohne sie besonders darzulegen, und dass, wenn sich im Aufruhr nicht die Stimme der Weisen erheben kann, die Mittel übereinzukommen undurchführbar würden.
Es wäre also nötig, dass die Nation sich nur [dann] öffentlich versammelte, wenn die drei Stände vereint und über das Gemeinwohl einig sind.

[...]




© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2009
Impressum