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Remarques
patriotiques, 1788
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O allmächtige Königin! Und Sie, König der Franzosen, man
hat ihnen einen knappen Bericht über die Übel Ihres Volkes gegeben,
man malt ihnen ihre Qualen, ihr Elend und ihren Kummer in vorteilhaften
Farben, man vermeidet die Gelegenheit, Sie zu betrüben, aber um Ihren
Untertanen Erleichterung zu verschaffen, müssen ihre Übel Sie
bekümmern. Die Notlage Ihrer Finanzmittel lässt Sie einigen
Verdruss erfahren. Sie leiden, weil Ihnen mitgeteilt wird, dass Ihr Volk
nicht glücklich ist. Nicht glücklich! Ach, Sire! Zwischen dem
Glück und dem Unglück gibt es eine vertretbare Lebenslage, und
diese ist es, in der Sie Ihr Volk glauben. Aber die, die herrscht und
die ich Ihnen nicht ohne zu erzittern schildern kann, ist der beklagenswerte
Zustand eines Drittels des Volkes, und zwar des empfehlenswertesten Drittels:
Die Maurer und die Männer, die auf dem Feld arbeiten, deren ganzes
Vermögen nur in der Arbeit ihrer Hände besteht, um ihre Frauen
und ihre Kinder zu ernähren.
Seit einem Monat, als der Wintereinbruch sich mit härtester Strenge
niedergeschlagen hat, sind die Arbeiten eingestellt. Den unglücklichen
Arbeitern fehlt es an Arbeit und an Brot für ihre Kinder, der Großteil
hat als Zufluchtsstätten nur schreckliche Dachböden, ohne Feuer,
ohne Hilfe von irgendjemandem. Was wird aus ihnen werden? Unfreiwillige
Betrüger, die die Natur und das Elend zum Verbrechen zwingen. Dieser
traurige Anblick zeigt sich in jedem Moment des Tages.
Es gibt noch eine andere Art Unglücklicher; das sind die Alten. Ach!
Wie sehr mich ihr Schicksal gefangen nimmt. Während der schönen
Jahreszeit beschäftigen sie sich noch mit irgendwelchen Arbeiten,
die ihnen helfen, den Rest eines elenden Lebens in die Länge zu ziehen,
aber im Winter, im Frost hat die Starre des Alters ihre bereits erschöpften
Kräfte erst recht erfroren. Und weil sie die Kraft nicht haben, ihr
Brot erbetteln zu gehen, fehlen ihnen die allernotwendigsten Dinge zum
Leben. Sie hüllen sich in Lumpen auf ihren ärmlichen Betten
und man findet sie am Hunger gestorben und vor Kälte erstarrt.
Einer dieser unglücklichen Greise hatte seinen letzten Moment kommen
gespürt und ein Rest an Mut zwang ihn, eine Art Bruchbude zu verlassen,
die man ihm nichtsdestotrotz für einen Ecu im Monat vermietete. Weil
er einige Zeit lang nichts hatte, ihn zu bezahlen, wählte der schreckliche
Türhüter dieser Unterkunft, hundert Mal bestialischer als diejenigen
in den Kerkern, den Moment, in dem dieser unglückliche Alte ausgegangen
war, um sich eine Kleinigkeit zu Essen zu besorgen. Er stieg hinauf, er
besaß die Grausamkeit seine Türe aufzubrechen und er hatte
die Unmenschlichkeit, ihm bei seiner Rückkehr zu sagen, dass er nicht
in seinem Haus schlafen würde, wenn er nicht bezahlt haben sollte.
Der unglückliche Alte hatte keine Unterstützung gefunden und
es war zehn Uhr am Abend. Vergeblich flehte er seinen Gastgeber an, ihm
für die Nacht Gastfreundschaft zu gewähren. Dieser Tiger hatte
den schrecklichen Mut, es ihm zu verweigern. Dieser arme Greis stieg heimlich
hinauf zu seinem Zimmer und setzte sich auf die Türschwelle seiner
elenden Bruchbude, wo er sein grausames Ende erwartete. Es hatte noch
nicht Mitternacht geschlagen, als er nicht mehr auf der Welt war.
Man sieht nur ähnliche Geschehnisse in Paris: Das Brot ist teuer,
es gibt keine Arbeit mehr und den Unglücklichen mangelt es an allem.
Es gibt jedoch schöne Seelen, die gute Taten zugunsten der Bedürftigen
leisten. Aber es sind fremde Hände, in die sie ihre Wohltaten wandern
lassen. Ihre Gaben sind immer schlecht verteilt und es sind fast niemals
die wahrhaft Unglücklichen, die in Paris wirklich gerettet werden.
Ach! Könnte man nicht Häuser gründen, die nur im Winter
geöffnet würden für die Arbeiter ohne Arbeit, die Alten
ohne Kraft, die Kinder ohne Unterstützung.
O Königin! O gerechter Monarch! Die leidende Menschheit wollte, dass
mein Bericht Sie zugunsten der Unglücklichen berührt, deren
bedauernswertes Schicksal ich Ihnen soeben skizziert habe! Wenn die Nationalschulden
beglichen sind, werden Sie mit Ihrer Wohltätigkeit diese schöne
Einrichtung unterstützen; alle reinen und großzügigen
Seelen werden für diese Aufgabenstellung enorme Summen abgeben. Man
wird die Herren Pfarrer von der beschwerlichen Arbeit entlasten, den Unglücklichen
Erleichterung zu verschaffen, und sie werden mehr Zeit haben, um sich
der Ausübung der Religion zu widmen, die jeden Tag nachlässt.
[...]
© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2008
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