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Une
patriote persécutée à la Convention nationale, 1793
[...]
Französischer Senat! Vergiss, wenn du es kannst, was ich an Großem
und Nützlichem für das Vaterland und für das Volk geleistet
habe. Ich erinnere dich nur, was du ununterschieden den schwächsten,
unwissendsten und verkanntesten Menschen schuldest, ich erinnere dich nur
mit der Verfassung in der Hand an deine heiligen Pflichten.
Eine Republikanerin könnte sich niemals entwürdigen, sie kann
nicht um Verzeihung betteln, wenn man ihr eine glänzende Wiedergutmachung
schuldet. Es ist dieser Mut, dieser Stolz, die heute mein ganzes Verbrechen
ausmachen in den Augen der emporgekommenen und zu modernen Möchtegern-Tyrannen
gewordenen Sklaven. Aber die Rechtschaffenheit hat unvergängliche und
mächtigere Rechte über den Geist der Mandatare des Volkes.
Französischer Senat! Es soll der Schrei der Ehre und der unterdrückten
Tugend im Altarraum der Gesetze widerhallen und du sollst mein Richter sein.
Mein Verteidiger sei mein Plan der drei Urnen. Es ist Zeit, ihn an die Öffentlichkeit
zu bringen, es ist Zeit, dass alle über den Grund informiert werden,
der den Ausschlag gegeben hat, mich festzusetzen.
Es hieße den Leser zu beleidigen, wenn man seiner Beurteilung zuvorkommen
und ihm eine Interpretation meiner Sätze auftischen wollte. Das wohlmeinende
Ziel dieses Plakats wird ihm nicht entgehen, es wird ausreichen, ihm zu
sagen, dass es der zehnte Mai war, an dem ich diesen Plan fasste. Wir hatten
keine Verfassung, die Departements bedrohten Paris. Die unbestimmte
Pressefreiheit legte mir den glücklichen Plan nahe, sie zu beschwichtigen
und einen inneren du feierlichen Frieden herbeizuführen, damit Frankreich
als Masse sich im Ganzen erhebt und die Fremden und die Rebellen unwiederbringlich
verjagt.
Ich habe das Unglück verhindern wollen, das Frankreich heute erdrückt.
Werde ich deshalb, wie Kassandra, das Opfer meiner Vorhersage und meiner
Fürsorglichkeit werden?
Gemischt unter die Elenden, die gegen alle gesellschaftlichen Rechte verstoßen
haben, sieche ich seit mehr zwei Monaten in den Gefängnissen dahin,
ohne ein Urteil oder eine Milderung meiner Qualen erhalten zu können.
Vertreter eines freien Volkes! Ihr seid es, an die ich meine Beschwerde
richte, ihr seid es, es ist das Volk, das seine Gerechtigkeit beurteilen
soll, es sind die, die die Freiheit und das Vaterland lieben, die über
die Strenge einer so schrecklichen wie unverdienten Gefangenschaft urteilen
sollen. Meine Feinde haben einen Moment lang triumphieren können! Aber
ich trotze ihnen aus der Tiefe meiner Kerker. Ich stehe unter dem Schutz
des Gesetzes, eines Tages werde ich sie entlarven und ich will keine andere
Genugtuung von ihnen haben als aller Welt mein Verhalten und meine Schriften
zur Kenntnis zu bringen. Man wird sehen, wer von uns sein Vaterland mehr
verehrt hat, man wird sehen, dass ich für das Glück des Volkes
alles gemacht, alles geopfert habe, und die Ketten sind der Lohn für
meinen Patriotismus! Ich bin verhaftet … beschuldigt … vor das
Revolutionstribunal gestellt …
Man soll also über mich urteilen! … Den Tod oder die Freiheit.
Olympe de Gouges
© Übersetzung: Viktoria Frysak, Corinne Walter 2008
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