| Olympe de Gouges (1748 - 1793) | ||
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| «Das
Schlechte, das bezahlt wird, ist immer noch gut. Das Gute, das man verschenkt,
ist niemals etwas wert» Ich habe gelernt, eine Lebensregel aus dieser
Erfahrung zu machen. Ich bin auf den Geschmack gekommen, ein Vermögen
zu machen, ich will es machen und ich werde es machen.
Ich vermache mein Herz dem Vaterland, meine Rechtschaffenheit den Männern (sie haben sie nötig). Meine Seele den Frauen, ich mache ihnen kein unwichtiges Geschenk; meine kreative Geisteskraft den Dramatikern, sie wird ihnen nützlich sein, besonders meine darstellerische Folgerichtigkeit dem berühmten Chesnier; meine Uneigennützigkeit den Ehrgeizlingen, meine Philosophie den Verfolgten, meine Geisteshaltung den Fanatikern, meine Religion den Atheisten, meinen offenherzigen Frohsinn den Frauen in den Wechseljahren und all die mickrigen Trümmer, die mir von einem redlichen Vermögen geblieben sind, meinem natürlichen Erben, meinem Sohn, wenn er mich überlebt.
Lassen wir mein Geschlecht beiseite. Auch Frauen verfügen über
Heldentum und Großmut, die Revolution zeigt mehr als ein Beispiel
davon. Wenn man Selbstwertschätzung
besitzt, steht man über den Vorurteilen. Derjenige, der den Lauf
des Lebens mit einem philosophischen Auge betrachtet, hält sich nicht
mit den eitlen Meinungen der Menschen auf, er wird glücklich in der
Gesellschaft derjenigen, die mit ihm sympathisieren, ohne populäre
Ideen anzunehmen. Oft haben die einfachsten Mittel große Wirkungen erzeugt; sollte
man sich fürchten, sie anzuwenden, weil sie einfach sind? Sollte
man sich fürchten, ihre Umsetzung in Angriff zu nehmen, weil es eine
Frau ist, die sie vorschlägt? Die republikanischen Gesetze versprachen uns, dass keine
ungesetzliche Macht die Bürger treffen würde, jedoch hat mir
inmitten eines freien Volkes ein Willkürakt, den über die Werke
des menschlichen Geistes zu verhängen sogar die Inquisitoren des
Ancien Régime errötet wären, soeben meine Freiheit geraubt.
Ist in Artikel 7 der Verfassung die Freiheit der Meinung und der Presse
nicht als das kostbarste Erbe des Menschen verankert? Ja, wenn das Massaker stattfindet, werde ich vielleicht eine der ersten
geopferten Leidtragenden sein. Aber meine Mörder mögen zittern:
Alles wird aufgerechnet werden, wenn ich nicht mehr sein werde. Aber weil die Extreme einander berühren und weil das Übermaß
an Übel immer das Gute gebiert, scheint es das Wesen von Revolutionen
zu sein, durch Ausschreitungen selbst Regierungen aus ihrer Verderbtheit
heraus zu erneuern. Eine große Zahl an Frauen von guter Herkunft ist verloren, weil
die Männer, die sich aller Dinge bemächtigt haben, die Frauen
darum gebracht haben, zu Ehren zu kommen und sich ein brauchbares und
nachhaltiges Auskommen zu verschaffen. Warum also soll mein Geschlecht
nicht eines Tages vor dieser Menge an Unbesonnenheiten gerettet werden,
durch die es sein geringes Vorwärtskommen in Gefahr bringt? Die Literatur ist eine Leidenschaft, die bis zum Wahn führt.
Diese Leidenschaft hat mich während zehn Jahren meines Lebens ununterbrochen
beschäftigt. Sie hat ihre Unruhen, ihre Aufregungen, ihre Qualen
wie die der Liebe. Wenn der Neid mich auf meinem Weg Verleumder von ungewöhnlicher Macht
hat treffen lassen, werde ich eines Tages für die Nachwelt interessanter
sein, wenn die Originalität meiner Schriften nicht den Anspruch darauf
erheben können wird, wird vielleicht mein Unglück mich allen
Menschen empfehlenswert machen, und man wird erkennen, dass eine Frau,
die ihr ganzes Werk aus sich schöpft, nicht nur das Wohlwollen der
Großen, sondern die Wertschätzung aller Menschen verdient.
Amerika, Frankreich und vielleicht die ganze Welt werden ihren Fall, den
Niedergang der Imperien und den Untergang von Kunst und Wissenschaft einigen
Besessenen verdanken, die Frankreich hervorgebracht hat. Das ist vielleicht
die unheilvolle Wahrheit. Sie hüten sich gut davor, uns zu bilden. Wenn wir unversehens
zur Einsicht kämen, würde uns vor dem Zustand grauen, in den
sie uns versetzt haben, und wir würden ein so grausames wie schmachvolles
Joch abschütteln können. ... diesen kurzen und schnellen Ablauf eines stürmischen
Lebens aufzubessern, das ist es, was mir die Einsicht diktiert, die mir
noch nicht allzu fasslich ist. Ich gebe sogar zu, dass ich sie nur mit
ziemlicher Mühe entdeckt habe. Sie schien fremd in Frankreich, sie schien
sich jedoch mit der Sprache seiner Einwohner vertraut machen zu wollen
und sie hat sich mir nach einer langen Forschungsarbeit wie ein Schutzengel
gezeigt, den ein Gott in die Hände der Natur gelegt zu haben scheint,
um über des Erbe der Menschen zu wachen und seine Gaben unterschiedslos
auf sie zu verteilen.
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